Der künstlerische Geist als lebensdienliches Element

Aktuell gilt Kunst oft als Zeitvertreib, den man sich gelegentlich gönnen kann. 

Eine Liebhaberei, der man frönen kann, wenn Kapazitäten, Ressourcen oder Gelder frei sind oder viel mehr frei gemacht werden wollen und es die politischen, gesellschaftlichen Umstände erlauben bzw. erlauben wollen. Sie trägt nicht wissenschaftlich nachweisbar konstruktiv zu dem bei, was ein menschliches Überleben sichert.

Wieso also bekommt die Kunst in unserem Projekt einen so großen Fokus?  Ein Projekt, das sich dem selbstversorgenden, nachhaltigen Leben widmet? Inwiefern kann die Kunst dazu beitragen? Bei meiner Antwort gehe ich sogar noch einen Schritt weiter mit der Arbeitshypothese, dass Kunst nicht nur dazu beizutragen in der Lage ist, sondern eine grundlegende Basis bietet, um ein selbstversorgendes Leben in Einklang mit Mensch, Tier, Natur auf respektvolle und konstruktive Weise möglich zu machen.

Ich bin überzeugt, dass Kreativität, Spielmodus, Forschergeist, Fragemodus, Wagnisbereitschaft und der Mut, unkonventionelle Wege zu beschreiten unabdingbar für die Neugestaltung eines zeitgemäßen und nachhaltigen Lebens sind. Die Energie, die in solchen Phasen frei wird, prägt wiederum die Stimmung an diesem Ort und das zwischenmenschliche Miteinander auf die Weise, dass eine Gemeinschaft entsteht, in der Neugier, Offenheit, Respekt und Kooperation selbstverständlich sind. Das wiederum integriert auf wertfreie und liebevolle Art auch das Scheitern, die Akzeptanz von Fehlbarkeit und umarmt Attribute, die derzeit gesellschaftlich als negativ verstanden und nicht toleriert werden, sei es Wut, Angst, Schwäche, Unwissenheit, Unsicherheit oder viele andere mehr.

Und eben damit bietet das Wesen der Kunst bzw. das, was dem künstlerischen Geist innewohnt eine wunderbar sinnliche Möglichkeit, das Leben in seiner Gänze und Integration all seiner Teilaspekte wertzuschätzen und persönliches Wachstum zu ermöglichen. 

Viele dieser Teilaspekte des Lebens spielen eine große Rolle in unseren Strategien für ein nachhaltiges und harmonisches Zusammenleben und bedingen sich gegenseitig. So fließen bspw. Prinzipien der Permakultur sowie kollektive Kommunikationsstrategien in die Kunstentwicklung ein. Das sich Mitteilen kann künstlerisch geprägt sein. Bewusstes Wahrnehmen vom Körper und kreatives Bewegen bringt geistige und emotionale Kräfte in Fluss. Empathie begleitet die Aufteilung von notwendigen Tätigkeiten, denn das Wort „Arbeit“ definieren wir sowieso auf eine ganz andere Weise.

Diese Arbeitshypothese gilt es nun im aktiven Experiment zu erforschen. Dafür möchten wir jedoch bestimmte Gegebenheiten, die in Deutschland nicht vorzufinden waren, sei es ein ganzjährig fruchtbares Klima oder die Befreiung aus Strukturen, die wir als destruktiv dem Leben gegenüber erachten. Darum haben wir uns entschieden, unser Projekt in Süd- oder Lateinamerika aufzuziehen.

Am 10. November wagen wir den Absprung in ein neues Leben. 

Mit unserem Flug nach Guatemala machen wir uns auf in das erste von fünf  Ländern (die weiteren sind Panama, Costa Rica, Ecuador und Peru), wo wir unseren Ort zur Realisierung unserer Vorstellung von einem Leben mit mehr Freiraum vermuten für das, was uns am Herzen liegt, nämlich das Zwischenmenschliche, das Künstlerische und das Leben selbst.

Dafür wünschen wir uns ein paar Hektar fruchtbares Land, eine eigene Wasserquelle, eine solarbetriebene Stromversorgung und ein Umfeld mit gleichgesinnten Menschen, um uns in ein sich gegenseitig unterstützendes Netzwerk integrieren zu können.

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